Elf Thesen für eine interladinische Sprachpolitik
- Nur das Überleben ihrer Sprache sichert den Dolomitenladinern, gekennzeichnet durch eine gemeinsame Kultur und Identität, ein Weiterbestehen. Um den Homologisierungstendenzen, die unsere heutige Zeit kennzeichnen, entgegen zu treten, braucht es heute mehr denn je eine einheitliche und wirksame Sprachpolitik für das gesamte historische Gebiet Ladiniens, d.h. die Täler Gröden und Gadertal mit Enneberg, Fassa mit Moena, Cortina und Buchstein mit Col S. Lizia.
- Alle Idiome, die in diesem Gebiet historisch gewachsen sind, ist lebendiger und ursprünglicher Ausdruck der ladinischen Sprache. Die Idiome stellen die unabdingbare Substanz für das gesamte ladinische Volk dar. Allen Idiomen soll dieselbe Würde zukommen, und sie sollten auf allen Ebenen von den Institutionen anerkannt werden.
- Alle Idiome haben Anrecht auf Förderungs- und Schutzmaßnahmen, um sich zu entwickeln und auch zukünftig behaupten zu können. Dies gilt umso mehr für jene Talschaften, wo ungünstige soziale und gesetzliche Bedingungen vorliegen.
- Das Weiterbestehen und die harmonische Weiterentwicklung der einzelnen ladinischen Idiome kann langfristig viel besser durch die Entwicklung einer einheitlichen Schriftsprache gewährleistet werden. Eine einheitliche Schriftsprache ist heute eines der primären und grundlegendsten Ziele jeder Politik zur Wahrung der ladinischen Gemeinschaft in den Dolomiten.
- Die einheitliche Schriftsprache, auch "Ladin Standard" bzw. "Ladin Dolomitan" genannt, ist ein Symbol der Identität des ladinischen Volkes und seiner Einheit. Sie stellt gleichzeitig ein "Schutzschirm“ dar, der den Erhalt und die Weiterentwicklung der Talschaftsidiome ermöglicht und Schutz vor sprachlichen Interferenzen der angrenzenden Sprachen bietet.
- Die historisch gewachsenen ladinischen Idiome sind die Grundlage des "Ladin Standard". Sie sind dessen Nahrung und Substanz.
- Der "Ladin Standard" ersetzt und verdrängt nicht die Mundarten, sondern stellt sich neben ihnen, um Funktionen abzudecken, die sonst fremde Sprachen einnehmen. Er stellt gleichzeitig ein Referenzmodell für den Ausbau der lokalen Idiome dar und ist die Grundlage für die Schaffung von gemeinsamen Neologismen und für die gemeinsame Modernisierung des Wortschatzes.
- Der gesetzliche Status der ladinischen Sprache soll in allen Verwaltungseinrichtungen Ladiniens verbessert und vereinheitlicht werden: die öffentlichen Institutionen sollen die Schutzbestimmungen anwenden und verstärken, und den Bedürfnissen der gesamten ladinischen Gemeinschaft Rechnung tragen.
- Die kulturellen und wissenschaftlichen Einrichtungen im ladinischen Einzugsgebiet, wie z. B. Universität, sollen an der Erarbeitung des sprachlichen Corpus des Ladinischen mitarbeiten, in dem sie die Bedürfnisse der lokalen Idiome, wie auch die des Standardisierungsprozesses, der vor zehn Jahren seinen Anfang nahm, berücksichtigen.
- Es sollen Maßnahmen zur sprachlichen Implementierung und Normalisierung in die Tat umgesetzt werden, um den Gebrauch des Ladinischen auf allen Ebenen und für alle Funktionen in der Gesellschaft zu entwickeln und zu fördern, in dem der Wunsch nach Einheit, der die Geschichte der Dolomitenladiner kennzeichnet, berücksichtigt wird.
- Das Gefühl der Einheit des ladinischen Volkes bedarf heute mehr denn je einer repräsentativen und starken Vertretung. Diese Funktion sollte die "Union Generela di Ladins dles Dolomites" (Dachorganisation der Dolomitenladiner) und ihre lokalen Sektionen einnehmen. Sie sind schon seit knapp 100 Jahren darum bemüht, die ladinische Identität über die politischen Grenzen hinweg zu verteidigen. Die Institutionen, die Lokalverwaltungen, die Parteien und alle gesellschaftlichen Kräfte sollen die interladinischen Aktivitäten, die Medien und die sprachliche Förderung, die zur Wahrung der Ladinität in den Dolomitentälern beitragen, unterstützen und im Geiste der guten Zusammenarbeit ausdehnen.
Les undesc teses per na politica linguistica interladina
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